11 Follower
6 Ich folge
biluma

biluma

Eine aufwühlende Geschichte über die Rolle der Frau am Anfang des 20. Jahrhunderts

Sturm über Rosefield Hall: Roman - Julie Leuze

Rosefield Hall 1913: Die 18-jährige Ruby ist die Tochter von Lord und Lady Compton und soll möglichst bald standesgemäß verheiratet werden. Ruby hat darauf allerdings gar keine Lust. Sie freut sich sehr, dass ihr langvermisster Bruder Edward aus Afrika zu Besuch kommt. Endlich ist wieder jemand da, der sie so liebt wie sie ist. Bei einem Sturz vom Pferd lernt Ruby dann den geheimnisvollen und gutaussehenden Fremden Cyril Brown kennen. Verbotener Weise treffen sich die beiden immer wieder und es knistert gewaltig zwischen ihnen. Doch diese Verbindung hat keine Zukunft, da Ruby einen Adeligen heiraten muss. Auch Cyril hat das begriffen und löst ihre Verbindung. Doch das ist nicht der einzige Grund, warum er Ruby nicht heiraten kann. Ruby ist es leid in einem goldenen Käfig zu leben und beschließt daraus auszubrechen und was verschweigt Cyrils ihr?

 

Der Anfang des 20. Jahrhunderts ist bei historischen Romanen ja eigentlich nicht meine Zeit. Das Cover hat mich allerdings so in seinem Bann geschlagen, dass ich das Buch unbedingt lesen wollte. Zu Beginn handelt es sich um eine typische Liebesgeschichte. Eine höhere Tochter verliebt sich in einen nicht standesgemäßen Mann und stellt sich gegen ihre Eltern. Doch im Laufe der Geschichte kommen immer mehr Themen dazu. Edward, Rubys Bruder erzählt von Afrika und den Zuständen auf der Erdnussfarm.

 

Auch der vorherrschenden Rassismus und Eugenik werden bei seinem Heimatbesuch auf Rosefield Hall ausführlich besprochen. Ruby und auch ihre Bedienstete Florence werden mit dem Feminismus konfrontiert. Die Suffragetten kämpfen im frühen 20. Jahrhundert um das Frauenwahlrecht und dabei war ihnen jedes Mittel recht. Sehr klischeehaft fand ich auch, dass bei den Feministen sofort auch die Homosexualität eine große Rolle spielt. Bei diesen starken und aufrüttelnden Themen kam mir die eigentliche Liebesgeschichte allerdings zu kurz.

 

Die Charaktere sind stark gezeichnet und entwickeln sich während der Geschichte stetig weiter. Ruby und Florence werden von der stillen Tochter und der unterwürfigen Bediensteten zu starken junge Frauen, die für ihr Recht kämpfen.

Jedes Kapitel ist aus der Sicht eines anderen Charakters geschrieben, so dass hier alle Seiten beleuchtet werden. Ich fand es beeindruckend, wie die Frauen zu dieser Zeit für ihr Recht kämpften.

 

Schnell lesen ließ sich das Buch jedoch nicht. Die immer wieder angeführten politischen Inhalte, die auch teilweise in Rückblenden erzählt wurden bremsten meinen Lesefluss und durch die vielen Themen gab es keinen wirklichen Spannungsbogen.

 

Fazit: Eine aufwühlende Geschichte über Standesunterschiede, Rassismus, Homosexualität und Feminismus, die Liebegeschichte kommt dabei leider zu kurz. Eine Leseempfehlung für alle, die mehr über die Rolle der Frau am Anfang des 20. Jahrhunderts erfahren möchten. 3,5 von 5 Sternen.